Freitag, 23. November 2012

Hallo ihr Lieben!


Es wird mal wieder Zeit für einen Eintrag... Da ich aber nichts vorgeschrieben habe (in den letzten Tagen hatten wir nur selten Strom), wird es wohl nur ein kurzer Eintrag.

Letztes Wochenende sind Julius, Oli und ich nach Lambrama gefahren, um dort Isa und Pia zu besuchen und uns das Lambramafest anzusehen.
Das Fest war richtig gut und es war schön, Isa und Pia mal wieder zu sehen!

Am Samstagabend gab es Scherentänze, die ziemlich cool waren. Zuerst war es nur tanzen, dann gab es immer mehr artistische Elemente und zum Schluss ging es nur noch darum, dass sich die Tänzer Schmerzen zufügen, sich die Schmerzen aber nicht anmerken lassen...
Da wurde sich dann auf einen Kaktus gelegt oder ein Stuhl an der Zunge festgenagelt oder auch Messer durch die Haut an den Waden gestochen... Irgendwie schrecklich, aber eben auch faszinierend.
Ich wurde übrigens auch mit einbezogen: Einer der beiden Haupttänzer hat mich auf seine Schultern genommen und getanzt. Das war lustig aber auch etwas seltsam, weil man schließlich von allen angestarrt wird!

Akrobatische Übungen:


Kaktus:


Messer im Bein: 


So sehen wie Scheren aus:


Und ich auf den Schultern eines Scherentänzers:


Ansonsten macht die Arbeit hier immer noch viel Spaß und die Kinder werden immer zutraulicher und weniger schüchtern, was uns betrifft.
Gestern und vorgestern haben wir im Zentrum Dosenwerfen gemacht. Dabei ging es darum, Antivalores, wie Hass, Ungerechtigkeit, Ungeduld usw, zu zerstören. Das fand ich richtig gut. Und heute gab es eine Aktion gegen Gewalt gegen Frauen. Deswegen trage ich im Moment eine weiße Schleife am T-Shirt.

Mehr fällt mir gerade nicht ein und deshalb:

Liebe Grüße
eure

Elena

Dienstag, 6. November 2012


Hallo ihr Lieben!


Ich dachte, dass ich mich mal wieder bei euch melde, also gibt es heute einen neuen Eintrag für euch.

Das letzte Mal hatte ich erzählt, dass wir auf Pedros und Dolores Acker helfen können, aber das wird wohl erst kommendes Wochenende sein. Oli und ich waren aber schonmal mit Pedro dort und der Weg dorthin ist sehr schön, da es immer grüner wird, je tiefer man hier kommt.

Hier sieht man Oli, der oben auf Pedros Acker steht:


Der Ausblick von Pedros Acker: 


Eine Pflanze auf den Rückweg: 


Und noch immer auf dem Rückweg:



Auf dem Rückweg vom Acker sind wir an Leuten vorbeigekommen, die gerade Pause von ihrer Feldarbeit gemacht haben. Diese Leute haben uns dann gleich eingeladen, mit ihnen mitzuessen. Es gab leckere Kartoffeln und dazu irgendeine Soße. =)

Und jetzt ein ganz anderes Thema:
Ich kann jetzt nämlich tatsächlich stricken, auch wenn ich mit meinem Schal noch nicht besonders weit bin, da ich mich meistens mit etwas anderem beschäftige... :D Trotzdem finde ich es natürlich gut, dass ich überhaupt mal stricken gelernt habe. =)

Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich erzählt, dass wir Joghurt machen wollten. Das haben wir wirklich gemacht und dieser hat richtig gut geschmeckt, weshalb wir unbedingt nochmal selber Joghurt machen müssen.

Im Zentrum zu arbeiten macht mir wirklich Spaß und ich fühle mich dort sehr wohl. Wir helfen nach wie vor viel in der Küche, aber nachmittags sind auch öfter mal Kinder da, mit denen wir uns beschäftigen.
Gerade die etwas jüngeren Mädchen, die so um die 11 Jahre alt sind, reden oft mit uns oder kitzeln uns. Das ist immer ganz lustig... vor allem, wenn sie dann weglaufen, um nicht selbst durchgekitzelt zu werden.
Letztens waren auch ein paar ältere Mädchen, so um die 14 Jahre alt, bei uns und wollten, dass wir ihnen etwas ins Deutsche übersetzen. Sie versuchen das dann immer auswendig zu lernen und man merkt, dass unsere Sprache wirklich recht schwer sein muss, grade, was die Aussprache angeht.
Heute waren ziemlich viele Kinder im Zentrum, mit denen wir uns dann auch beschäftigt haben. Die jüngeren Mädchen wollen immer alle hochgehoben werden, sodass sie die Decke berühren können. Nach einiger Zeit ist das immer ganz schön anstrengend! Außerdem haben wir heute mit einigen der Kinder in der oberen Etage des Zentrums fangen gespielt.
Leider hat unser Zentrum keinen Außenbereich... aber heute hätte man draußen sowieso nicht viel machen können, weil es geregnet hat. So langsam aber sicher merkt man eben doch, dass die Regenzeit kommt...

Vielleicht fangen wir demnächst an, Englischunterricht im Zentrum anzubieten. Es wäre toll, wenn sich einige Kinder dafür interessieren und dann einmal die Woche (oder so) Nachmittags im Zentrum bleiben würden, weil sie gerne Englisch lernen würden. Mal sehen, ob das klappt, möglich ist und überhaupt Kinder Lust dazu haben.


Oli und ich haben jetzt auch angefangen, Quechua zu lernen, es scheint gar nicht so schwer zu sein, da es auch kein reines Quechua, sondern mit spanischen Wörtern durchsetzt ist.
Wir hatten uns ja Wörterbücher für diese Sprache gekauft und jetzt können wir unsere Mitarbeiterinnen fragen, ob wir etwas richtig übersetzt haben oder wie man etwas richtig sagt. Interessant ist, dass es im Quechua zwei Wörter für „Wir“ gibt. Einmal Noqanchis, was wir alle bedeutet, die angesprochene Person wird mit einbezogen, und dann noch Noqayku, was ebenfalls wir bedeutet, aber die angesprochene Person nicht mit einschließt. Es gibt also „wir“ und „wir ohne dich“.
Diese Personen gibt es im Quechua: Noqa, Qan, Pay, Noqanchis, Noqayku, Qankuna, Paykuna, wobei Qankuna nicht vosotros, also Ihr, sondern, ustedes heißt, was man hier statt vosotros benutzt. In Spanien werden usted und ustedes als Höflichkeitsformen verwendet und hier verwendet man ustedes, um mehrere Personen anzusprechen, zu denen man selbst nicht gehört, also so wie unsere 2. Person Plural.

Ganz einfach ist es aber nicht, diese Sprache zu lernen, da es sehr viele unterschiedliche Dialekte gibt und in unseren Wörterbüchern teilweise komplett andere Wörter stehen, als sie hier verwendet werden. Das ist aber nicht so schlimm, da wir schließlich die Möglichkeit haben, unsere Mitarbeiterinnen zu fragen.

Letzte Woche Sonntag waren Julie, Oli und ich wandern, was ziemlich anstrengend war, da es teilweise sehr steil war. Manchmal braucht man hier auch seine Hände, um irgendwo hochzuklettern. Aber auch wenn es anstrengend ist, so macht es doch auch viel Spaß und am Ende, wenn man dann oben ist und die Aussicht genießen kann, hat sich die Anstrengung doch immer gelohnt. Insgesamt waren wir bestimmt fast 6 Stunden unterwegs und wir sind auf zwei „Gipfel“ gewandert. Beim Zweiten haben wir dann auch eine recht lange Pause gemacht und uns einfach hingelegt und die Wärme der Sonnen genossen, die gerade herauskam. Vorher hatte es nämlich kurz ein wenig geregnet, was aber auch nicht weiter schlimm war, weil wir schließlich Regenjacken dabeihatten.
Jule war lieber zu Hause geblieben, weil sie noch leichte Magenprobleme hatte und die lange Wandertour nicht riskieren wollte.

Julie und Oli auf dem Weg nach oben:


Oli und ich auf dem ersten "Gipfel":


Julie und ich auf dem ersten "Gipfel":


Ausblick vom zweiten "Gipfel":


Julie und ich auf dem zweiten "Gipfel":


Julie vor dem Kreuz auf dem zweiten "Gipfel":



An dem Wochenende haben wir auch wieder leckere Gerichte gekocht. Einmal gab es papas rellenas, was übersetzt wiedergefüllte Kartoffeln heißt und ein peruanisches Gericht ist.
Dabei kocht man zuerst Kartoffeln und zerdrückt diese anschließend zu einer Art Brei. Dann bereitet man eine Füllung vor, zum Beispiel gebratenes Hackfleisch, gekochte Möhren und gekochte Eier. Dann formt man aus dem „Kartoffelbrei“ eine Kugel mit einer Vertiefung, in die man die Füllung gibt und schließt die Kartoffelkugel anschließend. Wenn alle Kartoffeln fertig sind, frittiert man das ganze noch in Öl und dann ist das Gericht fertig. Es schmeckt ziemlich gut, hat aber, da wir nur eine unserer Herdplatten benutzen können, etwa 3 Stunden gedauert, bis es endlich komplett fertig war.

Unter der Woche ist, wenn ich mich recht erinnere, nicht besonders viel passiert. Aber die Woche war auch nicht gerade lang, da der 1. November (ein Donnerstag) ein Feiertag ist und deswegen alle Donnerstag und Freitag frei hatten. Ich muss sagen: So kurze Wochen sind auch mal schön! :D
Im Moment feiert die Stadt Abancay ihren 138. Geburtstag, weswegen alle Mitarbeiter der INABIF, in denen wir ja auch arbeiten (das sind sie Sozialzentren), am Samstag nach Abancay fahren mussten, um dort zu marschieren. Wir müssten natürlich auch hin, hatten uns aber entschlossen, schon am Freitag zu fahren, da wir nicht Samstagmorgen um 7 Uhr losfahren wollten. Außerdem hatten wir dadurch noch ein wenig Zeit, in Abancay einzukaufen usw.
Am Samstagmorgen sind wir dann dorthin gefahren, wo wir marschieren sollten und durften da dann bestimmt 3 Stunden warten, bis wir endlich dran waren. Natürlich hat es dann auch angefangen zu regnen, sodass wir alle Schutz unter den Bannern und Plakaten suchen mussten. Zum Glück hat es nicht allzu lange geregnet.
Dann durften wir endlich losmarschieren... und ich meine wirklich marschieren, wie Soldaten. Da ich ganz vorne war und einen Teil des Banners getragen habe, musste ich auch wirklich marschieren und konnte nicht einfach gehen. Ich kann dazu nur sagen, dass ich das gar nicht leiden kann und ich mich dabei unwohl gefühlt habe. Aber wenigstens ging das nur etwas 5 Minuten so, hoffentlich müssen wir das nicht noch einmal machen...
Trotzdem war es insgesamt schön, in Abancay zu sein, da wir dadurch auch Julius, Maya, Pia und Isa gesehen haben, was eigentlich immer gut ist.

Das einzig blöde daran, dass wir nach Abancay fahren mussten, war, dass dadurch unser langes Wochenende ein bisschen zerteilt war und wir nicht, wie ursprünglich geplant, nach Cusco und zum Machu Picchu fahren konnten... Aber dafür werden wir sicher noch ein anderes Mal Zeit haben! =)

Letztens hatten wir auch mal wieder einen Stromausfall, der diesmal allerdings ziemlich lange gedauert hat... nämlich ungefähr 2,5 Tage. :D Da heißt es wieder kalt duschen, abends immer mit Taschenlampe unterwegs sein und bei Kerzenschein essen, kochen oder einkaufen. Hier stört es wirklich niemanden, wenn der Strom mal ausfällt, alle machen einfach mit dem normalen Tagesablauf weiter. Das ist also ein ziemlicher Unterschied zu Stromausfällen in Deutschland, die zwar viel seltener und noch viel kürzer sind als hier, aber scheinbar auch viel schlimme,r da man ja nicht ins Internet oder Fernsehen kann! :D Wir haben uns auf jeden Fall schon daran gewöhnt, auch mal ohne Strom auszukommen! =)


Mehr gibt es erstmal nicht zu berichten und deshalb wie immer:

Liebe Grüße
eure

Elena